Unser Blog versammelt Gedanken, Impulse und Ideen zu unseren beiden großen Themen: Nachhaltigkeit und Offene Gesellschaft. Immer da, wo unser Denken die Richtung ändert, wird es interessant! Was wäre wenn...? Es gibt viele spannende Wege jenseits der abgetretenen Pfade von "schneller, weiter, mehr". Lass dich inspirieren! 

Die Corona-Chroniken

Der Lockdown

Am 29. Februar – dem Tag, den es nur alle 4 Jahre gibt – ging’s los: Mit der Hilfe vieler fleißiger Hände wurde in unseren neuen Räumlichkeiten in der Schillerschule gestrichen, gehämmert, tapeziert und gebaut. Eigentlich, so der Plan, sollte es Ende April losgehen: Mit einem rauschenden Einzugsfest und einem hochkarätigen Veranstaltungsprogramm – neben unseren regelmäßigen Veranstaltungen, dem Repaircafé und der Upcycling-Werkstatt, war eine Podiumsdiskussion bereits organisiert, ein Poetry-Slam-Duo kontaktiert, eine Lesung geplant … Es kam anders. Mitte März erreichte alle „Bewohner*innen“ der Schillerschule die Nachricht aus dem Rathaus, dass das Haus der Vereine aufgrund der Corona-Pandemie bis auf weiteres geschlossen wird - ein "Lockdown" im Wortsinn. Damit lagen unsere Renovierungs- und Gestaltungsarbeiten plötzlich auf Eis.

Die Ideen

Was soll ein Verein, dessen Herz Begegnungen und der Austausch von Menschen sind, in Anbetracht der Social-Distancing-Regel anbieten? In die Zeit des strikten Abstandhaltens und Zuhausebleibens sind wir mit zwei ganz unterschiedlichen Ansätzen gegangen.

Die virtuelle Theke

Einmal in der Woche hatten Interessierte die Möglichkeit, sich mit anderen um eine virtuelle Theke herum zu treffen. Bei Aperol Spritz, einem Glas Schorle oder einer Tasse Tee gab es reihum Impulse für das, was jetzt gerade anstand. Wie gehe ich mit Ängsten und Unsicherheit um, welche Übungen helfen mir in der akuten Situation? Wie kann ich mich in einer Zeit, in der so vieles über uns alle hereinbricht, dennoch selbst wirksam erfahren? Welche Themen – Corona hin oder her – beschäftigen mich sonst noch? Treffen im virtuellen Raum sind, auch das haben wir erfahren, nicht dasselbe wie live und in Farbe. Auch die Technik spielt nicht immer mit - aber für die erste Zeit hat das wunderbar getragen!

Zusammen bleiben wir auf dem Teppich

Ein ganz anderes Projekt haben wir ebenfalls gleich zu Beginn angestoßen. Unter dem Motto „Zusammen auf dem Teppich bleiben“ hatten wir dazu aufgerufen, aus upgecycelten Jerseystoffen („T-Shirt-Wolle“) Flicken zu häkeln. Die Idee: Wenn es wieder möglich ist, treffen sich alle Mithäkler*innen im neuen AspergAnders-Raum und fügen die Teile zu einem Ganzen zusammen. Es war wunderbar zu sehen, wie zahlreiche Menschen ihrem Impuls gefolgt sind und mitgehäkelt haben. Auf unserer Homepage haben wir das Projekt mit zahlreichen Fotos für euch dokumentiert. Und tatsächlich ist es jetzt so weit! In der ersten Augustwoche werden wir die insgesamt knapp 40 Flicken zu einem bunten Teppich zusammenfügen, der dreierlei symbolisiert: Die Vielfalt unserer Gesellschaft, das miteinander Verbundensein auch in schwierigen Zeiten, und nicht zuletzt einen respektvollen Umgang mit Ressourcen ganz im Sinne des Upcyclings. In der Mitte unseres Raumes wird der Teppich die Werkstatt-Insel markieren, wo repariert und upgecycelt wird.

Maske auf

Ebenfalls upgecycelt war übrigens die Mund-Nasen-Schutz-Kollektion, die einige AspergAnders-Engagierte im Mai genäht haben. Ein Dank geht hier an Frau Hartlaub von der Sternschnuppe, die sich gleich bereit erklärt hat, die „Gesichtsmasken“ gegen eine Spende bei sich in der Sternschnuppe anzubieten.

Schaffe, schaffe …

Seit Mitte Juni lassen die Corona-Auflagen es zu, dass wir das Haus der Vereine wieder betreten dürfen – so konnten wir unseren Raum endlich fertig gestalten. Neben dem Prinzip „Reduce, reuse, recycle“ – galt hier vor allem das schwäbische „Schaffe, schaffe …“: Insgesamt rund 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit wurden geleistet.

Wie geht es weiter?

Da es im Moment noch nicht möglich ist, offene Veranstaltungen anzubieten, haben wir euch hier ein paar fotografische Raum-Details mitgebracht, die euch im besten Falle neugierig auf den Rest machen. Wir feuen uns schon extrem, wenn wir endlich sagen können: Willkommen bei AspergAnders!

Sobald die Situation es zulässt, werden wir erstmal unsere Einzugsparty nachholen, die Mitgliederversammlung steht ebenfalls an und jede Menge spannender Veranstaltungen sind in der Pipeline. Alle Termine findet ihr dann wie immer hier im Blättle, im Terminkalender unserer Homepage oder auf Instagram.

Wir freuen uns darauf, wieder mit euch gemeinsam die Themen Nachhaltigkeit und offene Gesellschaft hier in Asperg zu bespielen!

 Nora, 03.08.2020


Asperg Anders Umfrage


Was bewegt uns in Corona-Zeiten? 

Um nach den langen Wochen des strengen Abstandshaltens mal wieder ein wenig in die Begegnung zu gehen, haben wir unseren Mitgliedern und Interessent*innen per E-Mail 5 Impulsfragen gemailt. Wir wollten von euch wissen, welche Erfahrungen ihr in und mit der Corona-Zeit gemacht habt, aber auch, welche Bedürfnisse, Wünsche und Ideen es für zukünftige Veranstaltungen von eurer Seite gibt. Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an alle, die ihre Gedanken mit uns geteilt haben – sei es per E-Mail oder auf dem Postweg!

Gutschein-Verlosung „Support our locals!“ 

Unter den Einsendungen haben wir, frei nach dem Motto „Support our locals!“, drei nachhaltige Gutscheine im Wert von je 15€ verlost – von der Buchhandlung Lesezeichen, dem Naturkostladen Sternschnuppe und dem Secondhandladen „Ladies and more“. Viel Spaß beim Einkaufen! 



Eure Zuschriften haben wir mit großem Interesse gelesen – und uns an vielen Stellen wiedergefunden😊 Hier kommen – zusammengepuzzelt und gekürzt – eure Antworten: 


1. Was waren positive Erlebnisse oder Erfahrungen während der Corona-Zeit? 

Definitiv die Unterstützung und gegenseitige Hilfe in der Nachbarschaft! Dass Verpflichtungen „runtergefahren“ werden war wohltuend – ein nahezu leerer Terminkalender – eine Atempause. Wobei das natürlich auch eine reichlich privilegierte Sichtweise ist… Entschleunigung. Spaziergänge. Die Natur intensiver wahrnehmen. Vogelgezwitscher am Morgen. Die Küche streichen, aufräumen, ausmisten – Ballast abgeben, loslassen. Die Kinder sind häufiger zu Besuch (wohin sollen sie auch weggehen abends?!), überhaupt: mehr Zeit für die Familie. Es ist schön, dass wir uns haben. Viel Zeit zum Nachdenken über Furcht, Gefahr und den Sinn des Lebens… 



2. Was waren deine negativen Erlebnisse oder Erfahrungen während der Corona-Zeit? 

Die eigenen Eltern nicht besuchen dürfen. Das Tragen der Schutzmasken (auch wenn ich weiß, dass es notwendig ist). Zu sehen, wie sehr den Kindern die sozialen Kontakte fehlen. Digitalisierung ist nicht alles, Videokonferenzen ermöglichen keine echte Resonanz. Trotz gemeinsamer Wanderungen oder Spaziergänge das Gefühl, in einer Blase oder unter einer Taucherglocke zu leben. Ich wusste gar nicht, dass Fußball systemrelevant ist – gekickt werden darf schon wieder, während kulturelle Veranstaltungen noch länger verboten bleiben. Was soll das?? Die ganzen Durchblicker, die bei Corona genau wissen, was Sache ist – insbesondere, wenn die eigene Komfortzone betroffen ist. Dass aufgrund der fehlenden Kontrollen in Brasilien noch mehr Regenwald abgeholzt wurde. Die vielen Ruinierten. Dass Menschen ihren letzten Lebensweg ohne Angehörige alleine gehen mussten. Menschen zu sehen, die augenscheinlich in Not sind, weil sie Angst haben. 



3. Was wünschst du dir von AspergAnders, wenn wir wieder loslegen dürfen? 

Weiterhin das Repaircafé. Einen interaktiven Literaturkreis zu wechselnden Themen. Spieleabende. Info-Vorträge zu Nachhaltigkeitsthemen (der Asperger Klimaschutzbeauftragte hat mitten in der Corona-Zeit seinen Dienst angetreten – hier können wir Synergieeffekte schaffen). In der Zeit des Zuhausebleibens: Berichte und Reisefotografien von Menschen, die „anders unterwegs“ waren. Gespräche. 



4. Wo liegen deine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Nachhaltigkeit und Offene Gesellschaft? 

Carsharing als zukunftsweisendes Konzept. Tauschen statt kaufen, dabei Verbindungen zwischen Menschen schaffen. 



5. Was soll künftig anders sein? 

Wo kann ich selbst Veränderung in mein Leben lassen? Weniger Fleisch essen… Corona soll fort. 



… letzteres wünschen wir uns sicher alle!! 

Eure Impulse und Wünsche für Veranstaltungen werden wir, sobald Veranstaltungen auch indoor wieder möglich sind, aufgreifen – vielleicht auch outdoor – wir sehen spontan, was möglich ist! 

Wir freuen uns jedenfalls, wenn wir uns alle irgendwann wieder ganz real begegnen dürfen, sei es beim Repaircafé, bei einem Workshop zur Klimagerechtigkeit oder auf der Mitgliederversammlung. Solange freuen wir uns, wenn ihr immer mal auf unserer Homepage vorbeischaut und mitverfolgt, wie prächtig sich unser Langzeit-Upcyclingprojekt aka „WirbleibenaufdemTeppich-Teppich“ entwickelt! 

Die Natur intensiver wahrnehmen - das haben viele von euch als positiven Nebeneffekt des "Lockdowns" empfunden.

 Nora, 22.06.2020

Unser Tag der offenen Gesellschaft

Am 20. Juni ist wieder Tag der offenen Gesellschaft! 
Normalerweise feiern überall in Deutschland Menschen diesen Tag gemeinsam mit Tischen und Picknicks - in den letzten beiden Jahren haben wir mit einer bunten Aktion auf dem Asperger Marktplatz mitgefeiert. Doch dieses Jahr ist auch "Asperg anders", denn im Moment können wir physisch nicht so eng zusammenrücken wie sonst.  

Trotzdem wollen wir jetzt nicht denjenigen das Feld überlassen, die die aktuelle Krise nutzen, um die Gesellschaft zu spalten. Zeigen wir also, dass wir – die Freund*innen der offenen Gesellschaft – die Mehrheit sind!

Darum lasst uns in diesem Jahr den Tag der offenen Gesellschaft spontan feiern! Ohne Tische, dafür aber mit klar sichtbaren Zeichen: Für Offenheit, Vielfalt, Zusammenhalt!  Aber wie?

Hier einige Aktionsideen:

  • Warum seid ihr für eine offene Gesellschaft? Zeigt mit Plakaten im Fenster, am Gartenzaun, auf dem Balkon, dass ihr #dafür seid!  
  • Postet am 20. Juni, dem Tag der offenen Gesellschaft 2020, Bilder und Videos von euren Plakaten und Aktionen unter #tdog20
  • Nutzt gerne auch die Aktionsideen, Plakate und Sprüche aus dem Download-Bereich der Initiative "Die offene Gesellschaft": 


https://www.die-offene-gesellschaft.de/downloads


Was tun für eine offene und solidarische Gesellschaft - ob mit den Liebsten oder den Nachbarn: Kommt in kleiner Runde ins Gespräch und werdet aktiv. 

Geht natürlich bitte bei allen Aktionen verantwortungsvoll mit Nähe und den Abstandsregeln um.

... und natürlich freuen wir uns sehr über eure kreativen Fotos vom Tag der offenen Gesellschaft - ob Plakate am Balkon oder kleine Tischrunde -, die wir auf unserer Homepage veröffentlichen.

 Nora, 16.06.2020

Die Initiative Offene Gesellschaft wurde 2015 in Berlin gegründet. Mehr Infos auch zum Tag der offenen Gesellschaft gibt's unter:
https://www.die-offene-gesellschaft.de

Am 15. Juni 2019 hat AspergAnders zum Tag der offenen Gesellschaft auf den Asperger Marktplatz eingeladen. 

Häkelnd Achtsamkeit üben…

"Häkeln ist wie meditieren, nur dass nachher auch noch ein Teppich dabei rauskommt!" Die Erfahrung haben einige unserer Mit-Häklerinnen in den vergangenen Wochen gemacht. Abgelegte T-Shirts oder zerschlissene Bettlaken zerschnippeln, die Bänder zu Wollknäueln wickeln, eine Reihe häkeln, dann noch eine, dann noch eine - und einfach nur genau DAS tun.

In einer Zeit der Unsicherheit - Was gilt heute? Gilt das morgen auch noch? Wann wird das Leben wieder normal? Aber was ist schon normal?! - tut es gut, sich immer mal wieder zu erden. Das kann ich, indem meinem Tun die volle Aufmerksamkeit schenke - mit allen meinen Sinnen. Ganz gleich, ob ich spazieren gehe, mir einen Kaffee koche, zur Arbeit fahre, die Wohnung sauge, mein Beet gieße - oder eben häkle. Meine Gedanken sind da, wo ich auch bin, genau jetzt, in diesem Moment. Ich atme ein. Ich atme aus. Ich bin da.

"In unserem heutigen Leben geht es immer ums MACHEN", schreibt die Psychologin Corinne Sweet. ",Was machst du gerade?' ,Was machst du am Wochenende?' [...] Wenn wir im Stau oder in einer Schlange stehen, sind wir sofort frustriert, weil wir nicht schnell genaug dahin kommen, wohin wir wollen. Wir ernähren uns von Fertiggerichten und tun ständig Dinge gleichzeitig, um die permanent wachsende To-do-Liste abzuarbeiten. Die Augen kleben am Bildschirm, statt mit unserer Umgebung und anderen Menschen in Blickkontakt zu gehen und uns ihnen vollständig zuzuwenden. Achtsamkeit bedeutet nicht MACHEN, sondern DA SEIN."

In diesem Sinne ist unser Teppichprojekt vielleicht die Quadratur des Kreises - einfach nur da sein, und trotzdem am Ende etwas gemeinsam gemacht haben:) Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn das Haus der Vereine irgendwann mal wieder seine Pforten öffnet, und wir mit allen, die meditierenderweise mitgehäkelt - oder häkelnderweise mitmeditiert - haben, die einzelnen Teile zu einem großen und farbenfrohen Ganzen zusammennähen! Bis dahin häkelt munter und achtsam weiter. Wir freuen uns über die Entspannung und Erdung, die ihr dadurch erfahrt, mindestens ebenso wie über die buntenTeppichflicken...

 Nora, 23.05.2020